Schaummodelle umgestalten

Pilatus PC-6

Schaumstoff-Modelle werden in der Regel fertig bemalt und mit Decals beklebt ausgeliefert. Der Vorteil ist klar, man kann gleich loslegen und damit fliegen. Der Nachteil: alle Modelle sehen gleich aus. Deshalb hier einige Tipps, wie du deinem Modell ein individuelles Outfit verpassen kannst.

Ich hoffe, dass du die eine oder andere Anregung findest, um deine Modelle weiter zu veredeln. Fehlt noch was Wichtiges auf der Seite? Feedback ist jederzeit willkommen.

26.08.2013, Peter

Farbe entfernen

Um ein Modell umzugestalten, müssen in den meisten Fällen zuerst die Kleber und die Farbe entfernt werden. Beim Abreissen der Kleber wirst du feststellen, dass die darunter liegende Farbe am Kleber haftet und mit abgerissen wird. Dieses "Problem" nutzen wir hier zu unserem Vorteil::

Nimm ein herkömmliches Papier-Verpackungs-Klebeband und klebe es auf die Farbfläche. Durch aufdrücken, abreissen, aufdrücken, abreissen, usw. lässt sich die Farbe in der Regel fast komplett, trocken und sauber entfernen. Probiere verschiedene Abrisstechniken aus. Du wirst rasch merken, wie's am Besten funktioniert. Obwohl diese Methode etwas Geduld braucht, finde ich sie ideal, weil keine Lösungsmittel, Farbentferner, oder ähnliche Chemie benötigt wird und man sich die entsprechende Sauerei sparen kann.

Farbe entfernen Farbe entfernen

Farbe entfernen

Modding

Wenn du das Modell nun nackig vor dir hast, kannst du dich nach Lust und Laune austoben und Modifizierungen anbringen: Einziehfahrwerk, Landeklappen und LED-Beleuchtungen werden wohl am Häufigsten ergänzt. Weiter kannst du Schwachstellen verstärken und exponierte Stellen des Modells schützen. Auf den Bildern siehst du beispielsweise, wie der äussere Bereich der Tragfläche mit leichtem, aber zähem Klebeband verstärkt ist, an jener Stelle, die bei einer schlechten Landung am Boden kratzen würde.

Modding Modding

Fahrwerk einbauen Fahrwerk einbauen

Wenn du mit dem Resultat zufrieden bist, kannst du dem Modell sein neues Outfit verpassen.

Weiteres zu diesem Modding

Farbgebung

Die Farbgebung des Modells ist gar nicht so einfach. Das Design soll:

  • gut gefallen
  • machbar sein, und
  • eine gute Erkennung im Flug garantieren

Wie das Make-Up einer Frau soll das Design die Schönheit hervorholen und das Auge auf gefällige Stellen lenken.

Um das passende Design für ein Modell zu finden, google ich jeweils erst mal nach Bildern von existierenden Vorbildern.
Sehr nützlich ist hier auch: Wings-Palette: Bildersammlung von Flugzeugen und Helikoptern

Dann erstelle ich ein Foto des Modells und male am PC solange dran rum, bis ich ein zufriedenstellendes Resultat erziele. Meist erstelle ich drei, vier Designs und entwickle aus dem Besten davon weitere drei, vier Varianten. Je öfter man diesen Schritt wiederholt, desto kleiner werden die Nuancen der Varianten. Hier als Beispiel der T-Rex 600 Rumpf als Fotovorlage, Resultat der Designstudie und fertiges Modell.

Farbgebung Farbgebung

Farbgebung Farbgebung

Dass das Endresultat nicht exakt so aussieht wie die Vorlage liegt daran, dass ich als Amateur jeweils das Optimum aus Aufwand und Ertrag suche - nach der 80/20 Regel: mit 20% Aufwand 80% des Optimums erzielen. Hier bewundere ich jeweils die Geduld und Tugend der Scale-Modellbauer, wo jedes Detail exakt sitzt und exakt dem Vorbild entspricht. Ich betreibe halt Zweckmodellbau: es soll einfach schön aussehen als Einzelstück herausragen, wenn ich mir schon die Arbeit mache. Sorry! Das Beispiel ist kein Schaumstoffmodell, aber es geht mir ja darum, dir einen Weg zu zeigen, wie du mit relativ wenig Aufwand ein ansprechendes Design für dein Modell finden kannst.

Um zu den Schaumstoffmodellen zurückzukommen;. wenn du dein Design gefunden hast, kommen wir zum Problem, dies am Modell umzusetzen. Hier gibt es verschiedene Lösungsansätze, welche alle ihre Vor- und Nachteile haben.
Gängige Methoden sind:

  • Folieren
  • Sprayen
  • Pinseln

..und zwar oft in Kombination! Wenn du Farbwechsel am Rumpf oder auf den Tragflächen planst, musst du dir nämlich vorher gut überlegen, wie du diese realisieren kannst. Wenn du die Farbe mittels Spraydose anbringen willst, müssen die anderen Flächen sauber abgeklebt und abgedeckt werden und dass Klebeband die Farbe gern abreisst, weisst du ja schon aus eigener Erfahrung. Eine Lösung ist deshalb oft eine Kombination mehrerer Methoden. z.B: Randzonen sprayen, Zwischenzonen nachher bemalen.

Vor der Verwendung einer Farbe musst du unbedingt (z.B. innen im Akkubereich) an einer Stelle prüfen, ob sie nicht das Material angreift! Trage eine 2x2 cm grosse Fläche auf und warte eine Viertelstunde. Wenn sich keine Blasen gebildet haben und die Oberfläche schön glatt aussieht, hast du grünes Licht. Sprayfarben können gut an der Unterseite des Cockpits getestet werden.

Bemalungen mit Sprayfarben sind leicht und schön ebenmässig. Gepinselte Flächen eher dick, schwer und unregelmässig. Gepinselte Kanten bei Farbwechseln erfordern Geduld und eine ruhige Hand. Folieren wäre eine gute Lösung zum Auffüllen von Flächen, aber die Folie glänzt meist viel mehr als die gesprayten Flächen und das sieht dann wieder gewöhnungsbedürftig aus. Ein weiterer Nachteil von Folie: bei schlechten Landungen arbeitet das Schaumstoffmaterial und zerknüllt damit die Folie. Am dauerhaftesten sind eindeutig Bemalungen mit Pinsel.

Farbgebung Farbgebung

Hier wurde die erste Fläche orange gesprayt, die weitere Farbgebung erfolgte mit dem Pinsel

Nieten malen

Du kannst deinem Modell mit einem schwarzen, feinen Permanent-Marker Nieten aufzeichnen. Im folgenden Bild wurde im Bereich der Kabine ein silberner Stift aus der Papeterie verwendet. Das A und O beim Nieten malen sind regelmässig Abstände. Solche erreichst du ganz einfach: zeichne auf einen schmalen Papierstreifen Markierungen im gewünschten Abstand, z.B. alle 5 mm. Diese Schablone kannst du nun ans Modell halten und die Abstände ab der Schablone auf das Modell kopieren.

Nieten malen Parkzone P-47 Thunderbolt

Bei dieser Parkzone P-47 wurde eine Beleuchtung. das Einziehfahrwerk und Landeklappenservos eingebaut. Auf den Flächen soll eine gelber Bereich die Sichtbarkeit verbessern. Die roten Zierstreifen stammen aus der Autoabteilung im Baumarkt. Zusammen mit den Nieten ergibt das doch ein stimmiges Bild. Und das ohne grossen Aufwand.

Aufkleber, Decals

Eine Möglichkeit für Kleber ist, als Ersatzteil ein Decal-Set nachkaufen und dieses zu verwenden. Wenn das als Produkt nicht existiert, findest du eventuell eines für ein anderes, ähnliches Modell gleicher Grösse. Was Kleber an einem Modell ausmachen, siehst du hier:

Aufkleber

Kleber lassen sich oft mit einfachen Mitteln selbst herstellen.

Kleber für eine Blade 400 Haube

Aufkleber Aufkleber

Die gewünschte Form ausgedruckt auf Papier

Aufkleber Aufkleber

Die Formen werden rückseitig auf selbstklebende, weisse Folie geklebt (farbige Folie ist besser, dann sparst du dir das Lackieren).
Die sichtbare Seite der Folie wird nun gesprayt.

Aufkleber Aufkleber

Wenn alles trocken ist, wendest du die Folie und hast hinten die Vorlage, um die Form mit einer Schere auszuschneiden.

Aufkleber Aufkleber

Kleine und komplexe Aufkleber, sowie Schriften erstelle ich direkt mit dem Drucker ab einem Foto, oder einer passenden Vorlage, welche man meist über die Google Bildersuche findet, oder selbst am PC herstellt. Das Foto wird in der passenden Grösse ausgedruckt und an das Modell geklebt, mit Scotch, Weissleim, oder ein wenig Uhu-Por.

Aufkleber Aufkleber

Die Schriftzüge beider Modelle sind mit Word erstellt und ausgedruckt. Das Schweizerkreuz auf der Tragfläche besteht aus zwei Streifen weissem Klebeband. Der ganze PC-21 ist mit Edding-Stiften bemalt. Das Dekor der PC-6 besteht aus weissem Klebeband auf zuvor rot gespraytem Grund.

Alterungsspuren

Ein bisschen Dreck auf dem Modell lässt das Ganze gleich viel lebendiger und lebensechter aussehen.

Alterungsspuren Alterungsspuren

Um diese Verschmutzung zu erreichen fliegst du das Modell einfach ein paar Jahre, oder nimmst einen Bleisitft und ein scharfes Messer und kratzt ein bisschen Graphit auf den Flügel. Nur ganz wenig. Achte darauf, dass das Graphit nur hinter den Stossstellen zu liegen kommt. Nun kannst du den Staub mit einem Papiertaschentuch verwischen. Weniger ist hier oft mehr. Vor allem wenn das Tuch bereits schwarz ist, braucht es meist fast keinen, oder nur sehr wenig neuen Graphitstaub, um fortzufahren! Russ-Spuren kommen gut rüber mit einer Mischung aus braunem und schwarzem Farbstaub. Jetzt kannst du dein Modell also nach Belieben verdrecken :-)

Achte auf saubere Finger und wo du beim Altern das Modell anfasst. Weil Fingerabdrücke willst du ja nicht anbringen. Gibt's trotzdem welche, hilft der Griff zum Radiergummi. Mit diesem kannst du missratene Stellen korrigieren und aufhellen. Wenn du mit dem Resultat zufrieden bist, lackierst du die Oberfläche dünn mit einem matten, transparenten Lackspray, Nur soviel, dass das Graphit nicht mehr abfärbt, sonst gibts später dauernd dreckige Kleider und Finger.