Modelle - Multiplex Blizzard
Blizzard
Sommer 2009
Anzahl Flüge (bzw. Akkus à ca. 7 Minuten Motorenlaufzeit): 24
Crashes: 3
Status: RIP (rest in peace)
- Spannweite: 1380mm
- Länge über alles 910mm
- Fluggewicht: 984g
- Gesamtflächeninhalt 19,4 dm²
- Flächenbelastung ca. 50 g/dm²
- RC-Funktion: Höhe, Quer, Motor
- Servos: 3x Multiplex Nano
- Brushless-Antrieb: HiMax 3516-1350 (Multiplex Tuning Set)
- Regler MULTIcont BL 54I
- Klapluftschraube Aeronaut CAM 9x6
- Akku: Lipo, 3S 2500mAh
- Empfänger: Futaba R617FS, 7-Kanal, 2.4GHz
Muitiplex Blizzard
Wie bei mir schon fast üblich, habe ich den vorgestellten Multiplex Blizzard gebraucht, aber quasi neu gekauft. Fabrikneu gekauft hat ihn Roger (ZH), der seinen ersten Blizzard kaputt-geübt hatte und sich deshalb einen zweiten mit viel Liebe und den Erfahrungen des ersten Modells aufgebaut und bemalt hat. Das Flugzeug ist denn auch perfekt gebaut und an allen strategisch wichtigen Stellen mit Gewebeband, oder Folie verstärkt.
Wie immer, habe ich vor dem Kauf unzählige Forenbeiträge über das Modell gelesen und mir Videos auf den einschlägig bekannten Portalen angeschaut. Von daher wusste ich, dass der Blizzard vor allem eines ist: ziemlich schnell.
Der Reiz der Geschwindigkeit war dann schliesslich auch ausschlaggebend, dass ich mir nach der Trojan und dem Easy Glider Pro noch ein drittes Modellflugzeug kaufte.
Fasst man den Blizzard das erste Mal an, staunt man erst mal, wie schwer, fest und kompakt sich das EPP anfühlt. Eigentlich soll es dasselbe Material sein wie beim Easy Glider verwendet wurde, mir scheint das aber eine ganz andere Kategorie Schaumstoff zu sein!
Mit erhöhtem Puls und einer gewissen Nervosität setze ich also zum Erstflug an. Vollgas, werfen und ab geht die Post. Huch, der wird wirklich schnell... obwohl nur mit Halbgas geflogen, zischt der Blizzard bereits mit gut 120 Sachen über die Wiese. Kaum gewendet, ist er schon wieder an mir vorbei und wird kleiner und kleiner. Da muss man den Kopf also bei der Sache haben - eine Sekunde wegzuschauen wäre wohl tödlich für das Modell.
Crash Nr 1
Nach 3..4 Minuten mit Kreisen und Achten ziehe ich den Blizzard mit Vollgas senkrecht nach oben - er zieht das voll durch und beschleunigt noch im Steigen... bis ich auf die blöde Idee komme, mitten im Steigflug das Gas wegzunehmen... oh, oh, böser Fehler: der Blizzard kippt über den flügel ab, kommt sofort ins trudeln und ist in diesem Zustand zu langsam, als dass ich ihn mit Quer- und Höhenruder wieder kontrollieren könnte. Das ist hart: du siehst das Flugzeug aus 50m Höhe gen Boden trudeln und kannst rudern wie du willst, ohne Erfolg. Du weisst, in wenigen Sekunden kommt der Aufprall und kannst nur noch zuschauen und hoffen... zum Glück landet er in einem ungemähten Teil des Feldes und bleibt, bis auf eine geköpfte Kunststoffschraube völlig unversehrt! Wow, da hab ich wieder einmal richtig Glück gehabt.
Nachtrag: ein erfahrener Modellflieger gab mir nachträglich folgenden Tipp: Wenn ein Flieger mit V-Leitwerk ohne Seitenruder ins Trudeln kommt: Ruder loslassen und Vollgas geben, so wird er schneller, stabilisiert sich und lässt sich wieder kontrollieren.
Man lerne: Strömungsabriss und über den Flügel abkippen lassen ist beim Blizzard ohne Seitenruder und mit dem V-Leitwerk absolut tabu!
Zuhause gereinigt, die Trimmkorrekturen mechanisch korrigiert und Expo auf das Höhenruder beigemischt, steht dem Blizzard ein paar Tage später der zweite Versuch bevor.
Diesmal geht alles glatt. Ich bin zwar immer noch unglaublich nervös, den Blizzard zu steuern, aber er fliegt sich wirklich wunderbar! Einfach sehr schnell ist er... wie lande ich den bloss? Ohne Motorkraft im ausgedehnten Landeanflug fliegt er immer noch mit ca. 80..100km/h an mir vorbei... nein, so wird das nichts. Besser geht's wenn vor der Landung noch im Sgelflug eine ausgedehnte 180° Kurve geflogen wird, bei welcher er Geschwindigkeit abbauen kann. So kommt er dann nun mit "nur noch" ca. 50 km/h rein und ich kann ihn mit Hilfe der Klappen relativ sanft ins Gras setzen. Wunderbar - das erste wirkliche Erfolgserlebnis mit dem Blizzard.
Nach 4 Flügen bin ich bei einen Expowert von 42% auf dem Höhenruder angelangt. So reagiert er nun nicht mehr so brachial auf feine Höhenkorrekturen. Ohne Pult möchte ich das Flugzeug also nicht einfliegen - der Blizzard erfordert anfangs schon schnelle Reaktionen und ein feines Händchen, bis man die richtigen D/R und Expowerte raus hat und er sich "sympathisch" anfühlt. Expo... eine Funktion, die ich beim Heli
immer belächelt habe wird bei einem Speedmodell fast überlebensichtig.
Nun folgen erste Vorbeiflüge mit Vollgas... meine Güte, so erreicht der Blizzard eine geschätzte Geschwindigkeit von ca. 160 km/h... wenn ich noch dazu aus der Höhe komme und ein wenig ansteche, schätze ich, dass das Modell mit knapp 200 km/h oder mehr an mir vorbeisaust. Das ist nun wirklich sauschnell und Adrenalin pur!
Die perfekte Abwechslung zum Easy Glider :)
Multiplex Easy Glider Pro und Blizzard... beide RTF
Crash 2 - Strömungsabriss im Landeanflug
Beim sechsten Flug wollte ich ihn wirklich sanft landen. Es war windstill und ich - mit dem Tempogefühl des EasyGliders im Kopf - dachte , nach einer weiteren Kurve wäre er dann langsam genug für die Landung.
Ich zog blöderweise in der Kurve noch am Höhenruder mit dem Resultat, dass er einfach über den Flügel abkippte und aus ca. 2m Höhe senkrecht in den Acker einschlug.
Bei diesem Absturz hat's dem Flugzeug die Nase nach rechts gestaucht. In Foren las ich vom Tipp, dass man gestauchtes EPP mit heissem Wasser übergiessen kann, damit man das Material in seine Ursprungsform zurückbiegen kann.
Natürlich hab ich das probiert und kanns bestätigen: funktioniert super: der Rumpf ist wieder nahezu gerade.
Trotzdem hatte ich nun grossen Respekt vor dem nächsten Flug... wird er nach rechts ziehen?
Die Sorge war zum Glück umsonst... der Blizzard fliegt wieder, als wäre nichts gewesen.
Nach 10..15 Flügen habe ich mich gut an das Tempo des Blizzards gewöhnt und getraue mich langsam mehr Figuren damit zu fliegen.
In Foren lese ich manchmal die Frage nach den Langsamflugeigenschaften des Blizzards. Ein Blizzard ist aber per Definition schnell. Fliegt man ihn langsam, hat er trotzdem bestimmt noch ca. 50km/h drauf. Langsamer geht's nur geradeaus im Segelflug, gegen den Wind.
Segelflugeigenschaften
Der Blizzard kann mehr als nur mit Vollgas über den Platz schiessen. Man kann den Motor auch als Aufstiegshilfe verwenden und inh dann segeln lassen wie einen Easy Glider. Natürlich trägt er nicht ganz so gut wie der reinrassige Segler, dafür hat er aber viel mehr Durchzug und braucht sich somit überhaupt nicht zu verstecken.
Dank seinem starken Motor kann ich den Blizzard innert weniger Sekunden senkrecht bis an die Sichtgrenze hochziehen und in die Segelfluglage bringen. Dann einfach gleiten lassen, oder mit Figuren die Höhe abbauen und dann wieder mit Vollgas hinauf. So lässt es sich mit dem Blizzi ausgedehnt fliegen. Wie lange ich insgesamt mit einem Akku so fliegen kann, muss ich demnächst mal messen.
Fotos?
Der Blizzard ist im Flug, aufgrund seiner Geschwindigkeit, unheimlich schwer zu fotografieren. DigiCams mit elektronischem Sucher sind da quasi chancenlos, bzw erfordern viel Erfahrung am Auslöser.
Crash 3 - Grenzen des Modells gefunden...
Samstag, 29.08.2009, 19 Uhr, Flug 24
Mit reichlich Tempo flog ich immer engere Turns und liess das Modell mit vertikal in der Luft stehenden Flächen kreisen. Irgendwann war's dann offenbar zuviel - auf einmal vermochte ich das Modell nicht mehr zu kontrollieren. Zwar konnte ich den Blizzard gerade noch so abfangen, dass er nicht direkt senkrecht einschlug, aber der Einschlag war dennoch heftig.
Bei der anschliessenden Begutachtung stellte sich heraus, dass das rechte Höhenruder im V-Leitwerk komplett, und das Querruder rechts halb herausgerissen waren. Oha... kein Wunder war das Modell nicht mehr steuerbar. Die Ruder halten also nicht unbegrenzt.
Nase stark gestaucht - Ruder herausgerissen - dem Blizzard steht eine erneute mittelschwere Operation mit Sekundenkleber und heissem Wasser bevor. Schade - gerade jetzt, wo ich so richtig Freude an diesem kleinen Flitzer gefunden hatte.



